Die Ungarnschlacht auf dem Lechfeld


"Die Ungarn kommen!" Diese Schreckensnachricht versetzte die Augsburger Bevölkerung im Sommer des Jahres 955 in große Angst. Das wilde heidnische Reitervolk hatte in bayerischen Landen gewütet und große Verwüstungen angerichtet. Jetzt überschritten die ungarischen Horden den Lech und zogen bis an die Iller.
Bischof Ulrich hatte Kunde von dem neuen Ungarnüberfall erhalten. Er wandte sich an seinen Freund, König Otto I., und bat um Hilfe. Doch dieser war im fernen Sachsen und konnte mit seinem Heer nicht so rasch da sein, um eine Belagerung durch die Ungarn zu verhindern. So blieb dem Bischof vorerst nichts anderes übrig, als selbst für die Verteidigung seiner Burgstadt zu sorgen. Hinter ihre schützenden Mauern waren Hunderte von Flüchtigen aus der Umgebung geeilt. Außerdem hatte der Bischof als Landesherr alle wehrfähigen Männer in die Bischofsstadt Augsburg befohlen: Sie sollten diese im Ernstfall verteidigen. Am 8. August 955 war es soweit: Die Ungarn stürmten gegen Augsburg heran. Dabei ging im Süden der Stadt die Grabeskirche der heiligen Afra in Flammen auf.
Der Bischof war damals schon 65 Jahre alt. Als oberster Kriegsherr leitete er persönlich die Abwehr. Maler schufen von diesem Ereignis Bilder, Legenden berichteten darüber, und man kann sich dieses Geschehnis etwa so vorstellen: Hoch zu Roß, völlig waffenlos, eine Stola umgetan, eilte er zu allen gefährlichen Stellen und sprach den tapferen Verteidigern Mut zu. Pfeile und Steine der Ungarn umschwirrten ihn von allen Seiten. Doch der Bischof blieb unverletzt. Die nächtliche Kampfpause nutzte er, ließ die Stadtbefestigung ausbauen und rief die Bevölkerung zum Gebet auf. Im Morgengrauen stürmten die Feinde in noch größerer Anzahl gegen die Stadt an. Sie führten Leitern mit sich, um die Mauern zu bezwingen. Als sie jedoch den harten Widerstand zu spüren bekamen, konnten sie von ihren Anführern nur noch mit Peitschenhieben zum Kampf angetrieben werden. Plötzlich ließ der oberste Führer das Signal zum Abbruch der Belagerung geben, da das deutsche Heer unter König Ottos Führung von Ulm her in Anmarsch war. Bischof Ulrich schickte seinen Bruder, den Grafen Dietpald, mit den besten Kämpfern schwer bewaffnet dem kaiserlichen Heer entgegen.
Einige Wegstunden südlich der Stadt, dort wo sich eine weite Ebene erstreckt, kam es am Laurentiustag, dem 10. August 955, zur entscheidenden Schlacht. Sie ging als "Ungarnschlacht auf dem Lechfeld" in die Geschichte ein.
Beide Heere hatten schwere Verluast. Auch Bischof Ulrichs Bruder Dietpald war unter den Toten. Die Massen des ungarischen Heeres aber waren vernichtet und die geringen Reste in die Flucht geschlagen.
Nach dieser Niederlage wagten die Ungarn nie mehr in deutsche Lande einzudringen.

Im Jahre 1955 beging die Stadt Augsburg das tausendjährige Gedenkjahr der Ungarnschlacht auf dem Lechfeld. Daran erinnert das Mosaikbild am Ulrichsstein an der Lechhauser Lechbrücke.


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